Förderverein Jüdisches Zentrum

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Neues Leben in Yemin Orde

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Aus der Mitte einer Grünfläche ragen noch die verkohlten Überbleibsel der Bäume, die dem großen Carmel-Feuer im Dezember 2010 zum Opfer fielen. Die stummen Zeugen der Brand-Katastrophe sind in dem Jugenddorf Yemin Orde noch überall präsent, aber mit dem neuen Grün, das sich Weg gebahnt hat, werden die Folgen des Feuers langsam zurückgedrängt.

Einige neue Häuser sind bereits gebaut. Einige der jugendlichen Bewohner leben aber noch immer in provisorischen Containern. Der Alltag hat sich bereits wieder eingespielt und die mentale Aufarbeitung des Dezember-Ereignisses geht langsam voran. Dennoch müssen die Kinder und Jugendlichen damit fertig werden, dass alles, was sie besassen, nicht wiederbringbar ist. Gerade für die Waisenkinder ist es besonders dramatisch, dass sie alle persönlichen Dinge wie Fotos oder Dokumente verloren haben. "Es war als hätte man ihnen ihre Geschichte genommen", so beschreibt Bat-El, Mitglied im pädagogischen Team von Yemin Orde die Situation vor Ort.
In diesen Fällen kann Geld nicht helfen, aber die Göttinger Spenden kamen gerade zum richtigen Zeitpunkt und halfen wieder ein Stück weiter. Die Göttinger, denen Bat-El ein herzliches Dankeschön übermitteln lässt, sind alle herzlich eingeladen, beim nächsten Besuch in Israel, einen Abstecher nach Yemin Orde zu machen, denn mit ihrer Hilfe und Unterstützung sind sie ein Teil der Jugenddorf-Gemeinschaft geworden. "… Now that you are a part of the village community", wie Bat-El formuliert.

Beim Rundgang durch das Dorf mit der zweiten Vorsitzende des Fördervereins Göttingen, Christine Jüttner, wird deutlich, wie erfolgreich und sensibel die Erzieherinnen und Erzieher in Yemin Orde arbeiten. Schon die kurzen Begegnungen mit Jugendlichen oder mit den Kindern machen deutlich, hier dominieren  Vertrauen und eine familiäre Atmosphäre, die jeder Besucher spüren kann.

Benefizkonzert

Für die Benefizveranstaltung im März in Göttingen hatten sich mehrere Organisationen zusammengeschlossen. Die "Swinging Amatörs" aus Nickolausberg und das Gold-Quartett der Jüdischen Gemeinde sorgten für einen spritzigen Abend n der Martins-Kirche in Geismar.  Die Musiker beider Bands verzichteten auf ihr Honorar. Die St. Martins-Gemeinde spendierte als Gastgeberin Imbiss und Getränke. Die Jüdische Gemeinde lud zu einem Gläschen koscheren Carmel-Rotweins und stellte Informationsmaterial über die Wiederaufforstung des Carmens zur Verfügung. Der Förderverein Jüdisches Zentrum Göttingen lieferte Bilder von dem zerstörten Kinder- und Jugenddorf, der Lions-Club Göttingen half mit einer kräftigen Spende. Aber auch viele persönliche Spenden gingen auf dem Konto der Christlichen Bildungsinitiative ein.

Yemin Orde

Das Kinder- und Jugenddorf Yemi Orde hat rund 500 Bewohner. Die Kinder und Jugendliche hat die Jewish Agency aus 16 Ländern der Erde nach Israel gebracht, um ihnen eine solide Bildung zuteil werden zu lassen, die sie in ihren Heimatländern nicht bekommen hätten. Viele von ihnen haben bereits Tragödien erleiden müssen, bevor sie nach Yemin Orde kamen. Glücklicherweise konnten alle Kinder und das gesamte Team gerettet werden, als das Carmel-Feuer 12 Gebäude komplett niederbrannte und 70 Prozent der übrigen Gebäude beschädigte. Die Wasser- und Energie-Versorgung sind völlig zerstört. Untergebracht sind die Kinder jetzt in verschiedenen Jugenddörfern.


Geschichte

 

Yemin Orde wurde 1953 vom britischen Zweig der Jugend Aliyah gegründet, um die Waisenkinder des Holocaust zu betreuen und um die Kinder der Immigranten unterzubringen, die mit den großen Einwanderungswellen in den 50er Jahren nach Israel kamen. Der Name erinnert an die englischen General Major Orde Charles Wingate, der sich für die Staatsgründung Israels einsetzte. Er war mit Chaim Weizmann befreundet und lernte Hebräisch. Nach ihm wurde auch das 1957 erbaute nationale Sport-Zentrum südlich von Netanya benannt. Das Kinder- und Jugenddorf ist ausgelegt für 500 Kinder und Jugendlich, die in 20 Häusern untergebracht werden. Es verfügt über ein Kunst- und Musikzentrum, einen großen Computerbereich, eine Tischlerei, eine Bücherei und ausgedehnt Sporteinrichtungen. Allerdings fast alle dieser Einrichtungen sind von dem großen Feuer betroffen und teilweise zerstört.

 

Bewohner

 

Nach den Waisenkindern, die den Holocaust überlebt hatten, kamen die Bewohner des Dorfes aus dem Iran, Nordafrika, Indien, Yemen und Osteuropa. Heute kommen die meisten aus Ländern der ehemaligen Sowjet-Union, aus Äthiopien und Brasilien. Etwa die Hälfte dieser Kinder stammt aus gestörten Familien, rund 20 Prozent von ihnen sind Vollwaisen. Die Mehrheit von ihnen sind Teenager. Seit 2002 nimmt Yemin Orde an dem Mayah-Programm teil und nimmt Waisenkinder mit jüdischem Hintergrund zwischen fünf und 13 Jahren aus dem ehemaligen Staaten der Sowjet-Union auf.

 

Die Christliche Bildungsinitiative e. V. hat freundlicher Weise ein Spendenkonto speziell für Yemin Orde zur Verfügung gestellt. Unter diesem Stichwort kann direkt gespendet werden:
Yemin Orde
Christliche Bildungsinitiative e. V. Evangelische Kreditgenossenschaft Kassel Kto. Nr. 600377, BLZ.: 52060410

fjz_zerstoert_big   Zerstörungen, die das Feuer hinterließ.
 
 ein zerstörter Klassenraum   ... ein zerstörter Klassenraum.

Fahrrad vermient   Manche Bewohner haben alles verloren.

Bis auf die Grundmauern   Abgebrannt bis auf die Grundmauern.   Fotos: Yemin Orde